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Auf der Suche nach Umweltlösungen

Journal ”Biznes Dialog“ September 2016

System zur Sammlung, Aufbereitung und Verwertung von Deponiegas: Die im Deponiekörper befindlichen Mikroorganismen bilden ein gefährliches Gas — Deponiegas, welches bis zu 60% Methan enthält. Das Gas ist hoch explosiv — es kann sich spontan entzünden und das Feuer kann sich auf die nahegelegenen Häuser und Gärten ausbreiten. Es kam bereits in der Vergangenheit zu solchen Fällen. Des Weiteren besteht Deponiegas aus Schwefelwasserstoff, Chloride, Fluoride und organischen krebserregenden Verbindungen. Deponiegas riecht nicht nur unangenehm, sondern ist auch stark gesundheitsgefährdend. 

Worin bestehen der Sinn und Zweck eines Gassammelsystems? Es werden 50–100 m tiefe Gasbrunnen in den Deponiekörper gebohrt und mit horizontalen Schläuchen verbunden, die an eine Gasverdichterstation angeschlossen werden. Dadurch ist es möglich das Deponiegas zu fassen und es anschließend in einer Hochtemperaturfackel aufzubereiten. Es handelt sich dabei um eine der effizientesten Methoden zur Gasaufbereitung. Die Effizienz beträgt 99%.

Ein solches System wurde auf der Abfalldeponie ”Timochowo“ im Moskauer Gebiet installiert. Über ein halbes Jahr wurde die Effizienz des Systems beobachtet, es wurden Analysen und Test durchgeführt und das Ergebnis was sehr positiv. Die Anzahl an gefährlichen Stoffen konnte minimiert werden. Es ist eines der umweltsichersten Systeme, welches ökologische und wirtschaftliche Aspekte gleichzeitig berücksichtigt und vor allem eine Lösung für das Emissionsproblem darstellt. Durch das System ist es möglich 95% des Deponiegases zu erfassen, auf geschlossenen Abfalldeponien sind es sogar 100%. Des Weiteren arbeitet das System 24 h ohne Pause.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Nutzung von erneuerbaren Energiequellen. Auf der Abfalldeponie ”Timochowo“ war eine solche Nutzung vorgesehen. Jedoch haben sich der Euro -und Dollarkurs stark verschlechtert und da es in Russland keine Produzenten für solche Systeme gibt und das westliche System zu teuer war, konnte ein solches Projekt leider nicht implementiert werden. Die Absichten ein solches Projekt zu implementieren, haben sich aber nicht verändert und derzeit wird über die schrittweise Realisierung nachgedacht. Ein weiteres Problem sind Importbeschränkungen und Sanktionen. Letzteres stellt für uns kein Problem dar, da wir die Planung und den Bau zur Gänze mit russischen Ressourcen abdecken können, jedoch gibt es in Russland keine Firmen, die ähnliche Anlagen und Maschinen bauen. Und das nicht, weil sie dazu nicht in der Lage sind, sondern weil die technischen Anforderungen an die Abfalldeponien so gering sind, dass es so gut wie keine Aufträge für diese Maschinenbauer gibt. Das ist für uns bis heute ein Problem. Es gibt keine Produzenten und keine Anlagen. Die Produktion zu lokalisieren ist unmöglich, solange es nicht genug Aufträge gibt. Die Anwendung von Importbeschränkungen ist in diesem Bereich kontraproduktiv. Die Substitution ausländischer Produkte durch einheimische sollte reibungslos verlaufen.

Sie sind wahrscheinlich sehr gut mit der Abfallsituation in europäischen Ländern vertraut. Geht es für Russland in die richtige Richtung in Bezug auf Recycling?

Mir fällt seit mehreren Jahren auf, dass die russische Bevölkerung bereit ist für eine Veränderung und sich auch für eine Mülltrennung einsetzt. Das verstehen nicht nur die Erwachsenen, sondern auch die Kinder. Derzeit sehe ich aber noch keine richtige Mülltrennung und auch keine Verarbeitung. Das soll nicht heißen, dass das überhaupt nicht gibt. Teilweise wurden eine Trennung und Verarbeitung in Moskau und im Moskauer Gebiet eingeführt. Alles muss korrekt und gesetzmäßig durchgeführt werden. Derzeit gleicht es aber eher einem Experiment. Ich bin jedoch zu 100% davon überzeugt, dass das Argument, das viele Beamte vorbringen, dass die russische Bevölkerung den Müll nicht trennen will und eine Mülltrennung in Russland nicht durchsetzen kann, falsch ist. Die Leute wollen eine Veränderung und sind auch bereit dafür! Im Gegenteil die Leute wollen keine Müllberge, verschmutzte Flüsse, und dreckige Einfahrten mehr sehen. In Russland fährt man am Wochenende auf die Datscha. Die Russen lieben die Natur und sie lieben ihr Land. Jedoch gibt es keine adäquate Mülltrennung

Sprechen wir jedoch über etwas, das funktioniert- die Abfallsortierung Die Sortierung ist zwar nicht so modern wie westliche Anlagen in Bezug auf die Automatisierung, aber in Russland ist die Sortierung zum großen Teil auf menschliche Arbeit zurückzuführen. Das hängt mit dem niedrigen Tarif zur Abfallverarbeitung zusammen sowie mit dem Vertriebsmarkt für Recyclingprodukte. Durch den niedrigen Tarif können derzeit keine vollautomatischen Sortieranlagen gebaut und betrieben werden. Mein Mitgefühl den Arbeitern in diesen Sortieranlagen. Die Arbeitsbedingungen sind hart. Diese Arbeitsbedingungen sind in unserer modernen Welt inakzeptabel. Die Leute verrichten eine nützliche Arbeit, jedoch sind die Bedingungen kaum zu ertragen. Diese Arbeit muss respektiert werden und es müssen angemessene Arbeitsbedingungen geschaffen werden.

Verarbeitung von Abfällen: Dieser Bereich existiert kaum in Russland, obwohl ich von einer Fabrik in Engels in Saratow gehört habe. Derzeit gibt es in Moskau zwei Müllverbrennungsanlagen. Und diese sind nur ein Erbe aus früherer Zeit Ob das gut oder schlecht ist, sei dahin gestellt. Wichtig ist, dass es sie gibt und leider gibt es viel zu wenige….